Eine Liebe, die den Tod überdauert, ist ein altes Versprechen des Kinos. In „Geister“ lässt Fatih Akin es nicht einfach als Trostformel stehen: Seine beiden jungen Hauptfiguren bekommen nur eine begrenzte Zeit miteinander – und nicht einmal mehr dieselbe Wirklichkeit. Der Film startet am 5. November bundesweit in den deutschen Kinos.
Farasha und Faris sind zwanzig, haben gerade das Abitur hinter sich und begegnen sich auf einer Feier. Noch in derselben Nacht stirbt Farasha. Sie findet einen Weg, Faris wiederzusehen: vierzig Nächte lang kann sie ihm in seinen Träumen erscheinen. Was danach geschieht, bleibt hier ausgespart. Schon die Ausgangslage legt jedoch eine Erzählform nahe, in der Nähe nicht selbstverständlich ist, sondern an eine Frist und an den Schlaf gebunden.
Vierzig Nächte als Erzählregel
Das Fantastische beginnt in „Geister“ nicht als Flucht aus dem Alltag, sondern als Regel, die ihn verändert. Die Begegnungen im Traum erlauben der Liebesgeschichte, sich fortzusetzen; zugleich markieren sie ihre Grenze. Jede Nacht ist Möglichkeit und Countdown zugleich. So macht die Zahl vierzig aus einem poetischen Einfall eine dramaturgische Spannung: Was heißt es, sich nahe zu sein, wenn diese Nähe nur in einem Zwischenraum stattfinden kann?
Das ist eine Frage, die sich weniger über spektakuläre Welten als über die Wahrnehmung erzählen lässt. Traum und Wirklichkeit teilen sich dieselben Figuren, aber nicht dieselben Bedingungen. Farasha kann Faris begegnen, doch nur in einem Zustand, aus dem er wieder erwacht. Wie der Film diese Übergänge gestaltet – und ob seine Bilder eher dem Traum oder dem Alltag folgen –, wird sich auf der Leinwand zeigen. Eine Vorschau kann darin eine Möglichkeit erkennen, aber kein Urteil über die Umsetzung vorwegnehmen.
Hamburg als Herkunft und Schauplatz
Hamburg ist dabei mehr als die biografische Heimat des 1973 dort geborenen Regisseurs. Die Stadt bildet den Ausgangspunkt der Handlung; gedreht wurde laut FilmFest Hamburg neben Hamburg auch in Schleswig-Holstein und Bayern. Zwischen Feier, jugendlichem Aufbruch und Verlust steht so eine konkrete norddeutsche Umgebung, nicht ein beliebiger Märchenraum. Das Fantastische wird in eine vertraute Stadt eingeschrieben.
Akin hat die Stadt und ihre Milieus in unterschiedlichen Tonlagen filmisch erkundet: vom rauen Debüt „Kurz und schmerzlos“ über die Komödie „Soul Kitchen“ bis zu den stärker politisch grundierten Stoffen „Aus dem Nichts“ und „Der goldene Handschuh“. „Geister“ verschiebt nun den Schwerpunkt in Richtung Romanze und Fantasy. Dass eine Liebesgeschichte über den Tod hinaus ausgerechnet in dieser Filmografie steht, ist eine interessante Konstellation: Akin bleibt bei Figuren, deren Beziehungen unter Druck geraten, wählt aber ein ausdrücklich fantastisches Gefüge.
Eine neue Tonlage im Akin-Kosmos
Das Drehbuch stammt von Akin und Ruth Toma, die bereits an mehreren deutschen Kinoerfolgen als Autorin beteiligt war. Die Hauptrollen spielen Mariam Dawoud als Farasha und Eren M. Güvercin als Faris. Frank Griebe, ein langjähriger Kamerapartner Akins, führt die Kamera; die Musik kommt von Malakoff Kowalski. Der Film dauert 106 Minuten und ist von der FSK ab zwölf Jahren freigegeben.
Die Besetzung junger Figuren und die einfache, strenge Traumregel geben dem Stoff eine klare Form. Entscheidend dürfte sein, wie „Geister“ zwischen dem unmittelbaren Gefühl erster Liebe und dem Wissen um ihre Begrenzung balanciert. Gerade darin liegt die Erwartung an den Filmstart: nicht in der Behauptung, das Fantastische löse den Verlust auf, sondern in der Frage, was es einer Liebesgeschichte erlaubt, noch zu erzählen, wenn das gemeinsame Leben abgebrochen ist.
Redaktionell geprüft · 3. November 2026


